Dienstag, 1. September 2026

Im Kino: Spaziergang nach Syrakus

Ein Fernweh-Film. Lars Jessen's Film erzählt von einer Reise eines DDR-Bürgers (Charly Hübner) von Hiddensee nach Syrakus/Sizilien Ende der 1980er Jahre – und vor allem von der jahrelangen Vorbereitung dieser „Ausreise“, die damals legal nicht möglich war. 

Schon die Vorbereitung war schwierig, etwa das Ausleihen von Büchern in Bibliotheken, wenn sie beispielsweise etwas mit Navigation zu tun hatten. Der Protagonist, zusammenlebend mit einer Ärztin in Rostock, bekommt einen Job auf einem DDR-Ostsee-Schiff im kellnerischen Bereich, kann dort Westmark als Trinkgeld sparen, kauft auf Hiddensee später ein Boot, macht einen Segelschein. 

Und schließlich bei geeigneten Windverhältnissen gelingt die Flucht von Hiddensee aus an die dänische Küste. Er schreibt dann zurück an die Behörden, dass dies nur eine Urlaubsreise sei, nach der er zurückkehren würde. Seiner Frau, die wenig Verständnis für diese Reise hatte und der er Vieles verheimlichte, schickt er Ansichtskarten, die diese pflichtschuldig zu Hause an die Wand pinnt. 

Nach einem Verwandtenbesuch in West-Deutschland und bei einem Besuch der DDR-Botschaft wird ihm klar, dass er wohl nicht zurück kann. Er setzt die Reise fort und schafft es dann doch noch zurück, da die Mauer gefallen ist. 

Der Film ist langsam und einfühlsam erzählt, lässt speziell auf der Reise selbst viel aus. Stationen der Reise in Italien werden so oft nur als Postkartenmotiv gezeigt. In Inszenierung und Dramaturgie mit Schwächen, hat der Film doch einige nette Szenen und ist kurzweilig anzusehen. 

Der Film basiert auf der Erzählung „Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus“ (1995) von Friedrich Christian Delius. Dieser Erzählung liegt wiederum die reale Flucht eines Mannes im Jahr 1988 zu Grunde, der seinerseits als Schullektüre Johann Gottfried Seume's „Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802“ vor seiner Flucht gelesen hatte. Letzteres ist ein bedeutendes Werk authentischer Reiseerlebnis-Literatur.

Beim filmdienst gibt es eine ganz gute Kritik.

Montag, 31. August 2026

Besuch des Tiger & Turtle Magic Mountain und Wandern im Süden Duisburgs

An der Tiger & Turtle Skulptur, einem begehbaren Kunstwerk im Süden Duisburgs, war ich noch nie. Sie wurde Ende 2011 fertig gestellt nach einem Sieger-Entwurf von Heike Mutter und Ulrich Genth. Die Skulptur liegt rheinnah auf der Heinrich-Hildebrand-Höhe, einer abgedichteten Schlacke-/Bauschutt-Deponie einer in 2005 stillgelegten und abgerissenen Zinkhütte, zuletzt betrieben von der MHD Sudamin GmbH.



Theoretisch kommt man mit einer Straßenbahn vom Duisburger Hauptbahnhof bequem hin. Aber wie das so ist in Deutschland, ist die Infrastruktur eventuell hinüber und in Sanierung begriffen. Faktisch musste ich nach einigen Stationen in einen Bus-Schienenersatzverkehr umsteigen, was die Anreise zeitlich deutlich verlängerte.

Das Foto oben ist eine Momentaufnahme. Tatsächlich wurde es bald deutlich voller dort, als ein/zwei niederländische Schulklassen kamen, die auf einem mehrtätigen Ruhrgebietsausflug waren. Die Mädchen versuchten sich mit mir in "Deutsch", was funktionierte, obwohl ihre Aussprache noch verbesserungsfähig war.

Das visuell Beeindruckende am Standort ist der Blick auf ein Gaskraftwerk und ein weiter hinten liegende Stahlwerk mit Hochöfen:


>The Views<


Zurück zum Bahnhof ging ich zu Fuß und in einem Bogen, wie die mit Komoot aufgezeichnete Wanderroute zeigt:


Das waren etwa 14.5 km bei geringem Relief. Ich ging zunächst durch den Biegerpark, der vom Angerbach eingegrenzt wird, aber nicht so wirklich Besonderes zu bieten hat:


Durch die sogenannte Sechs-Seen-Platte im Osten wollte ich unbedingt gehen. 




Die Seen dort sind natürlich ehemalige Kiesgruben und schon ziemlich groß. Viel Baumaterial für Bahnhöfe, Siedlungen, Straßen, Fabriken kam aus diesen Gruben, die ab 1912 sukzessive fast 90 Jahre genutzt wurden. Aber in den 1960er Jahren begann zum Teil schon die Rekultivierung.


Heute ist dies das Naherholungsgebiet von Duisburg, und es gibt so einige Aktivitäten.


Baden ist im Regelfall verboten, außer im Strandbad. Aber es gibt andere Aktivitäten wie Segeln.


Beliebt ist die Gegend auch für Picknicken am Seeufer und generell bei Radfahrern.


Weiter im Norden, aber nicht zu dieser Seenplatte gehörend, kommt ein Regatta-See mit Parallelkanal:


Ich kam durch einige Stadtteile Duisburgs, die auf der gewählten Route allerdings keine besonders erwähnenswerte Strukturen aufwiesen. Mitunter dachte ich, dass es ganz schön weit bis zum nächsten Supermarkt ist.

Mittwoch, 26. August 2026

Jack London's Erzählungsband „Die glücklichen Inseln“

Es ist eine deutsche Zusammenstellung von Jack London's Hawaii-Geschichten. Zu seinen Lebzeiten war er einer der erfolgreichsten Autoren der Welt. Da der US-amerikanische Autor nach einem kurzen, aufregenden Leben mit 40 Lebensjahren im Jahr 1916 vermutlich an Nierenversagen starb, können die Geschichten nicht jünger sein. 

Die Hawaii-Inseln wurden 1898 annektiert, nachdem die USA 1893 deren Königin stürzten. Doch der Untergang der Hawaiischen Kultur begann schon um 1820 mit dem Wirken der ersten amerikanischer Missionare. 

Von „glücklichen Inseln“ ist in den Geschichten wenig zu spüren. Sie beschreiben ziemlich genau die geschichtliche Entwicklung und die Zustände in den letzten Jahrzehnten vor 1916 sowie den extremen Rassismus. 

Die Erzählperspektive wechselt, im Mittelpunkt können mal weiße Farmer oder Missionare, höhergestellte Frauen und Männer des Hawaiischen Adels oder auch Chinesen stehen, die ursprünglich in großer Zahl für die Plantagenwirtschaft auf die Inseln geholt wurden. 

Ein beunruhigend düsteres Thema einiger Geschichten ist Lepra, eine Krankheit, die vermutlich damals auch aus China importiert wurde. 

Obwohl beispielsweise wegen der Vulkane und einigen Beaches sicher lohnend, war ich nie auf den Hawaii-Inseln.