Mittwoch, 10. Juni 2026

Bücherwelten: Emi Yagi's Roman „Frau Shibatas geniale Idee“

Der Debüt-Roman (2020) der japanischen Autorin gewann auf Anhieb einen bedeutenden japanischen Buch-Preis. Das Buch spielt in Tokyo. Eine junge alleinlebende Frau gibt in der Firma vor, schwanger zu sein. Sie arbeitet im Vertrieb einer papierproduzierenden Firma. 

Das Bekenntnis führt automatisch zu zahlreichen Vergünstigungen in der Firma, insbesondere reduzierte Arbeitszeiten und Rücksicht der männlichen Kollegen. Sie wird auch von lästigen, nicht im Arbeitsvertrag formulierten informellen Aufgaben befreit, etwa Kaffee kochen vor Meetings. 

Die Autorin versteht es gut, die patriarchalisch geprägte Gesellschaft Japans vorzuführen. Der Wert des Buches besteht aber auch darin, den nicht firmenbezogenen Lebensalltag einer jungen Frau und ihre Gedanken detailreich darzustellen, Hobbies inklusive. 

Das Buch lässt nicht immer eindeutig erscheinen, ob die Protagonistin wirklich schwanger ist oder nicht, z.B. bei den Schwangerschaftskursen und weil das Baby später oft gegen die Bauchdecke tritt oder bei der Frauenärztin. Die Zweideutigkeit macht auch den Wert des Buches aus. 

Am Ende kehrt sie in die Firma zurück und zeigt den Kollegen gelegentlich Fotos ihres Kindes, die sie bei Instagram geklaut hat. 

Insgesamt ein lesenswertes Buch. Eine gute Buchkritik gab es beispielsweise bei litaffin.

Montag, 18. Mai 2026

Olbia II und Rückkehr nach Köln

Casa Vacanze Dora, Olbia (Doppelzimmer mit Bad und Terrasse und Gemeinschaftsküche, 68 €/Nacht)

Ich kehrte mittags per Bus von Santa Teresa Gallura zum Ausgangspunkt meiner Reise nach Olbia zurück. Ich hatte dann noch einen freien Tag, aber keinen Plan, noch etwas zu machen. Egal, wettertechnisch war es sowieso der regnerischste Tag meiner Reise. Und 20 Grad Maximum bei oft bewölktem Himmel lud auch nicht besonders zum Lesen im Park ein:



Olbia selbst hat für mich auch nicht viele Attraktionen. Dem gemütlichen Zentrum steht eine städtische Coastline gegenüber, die man deutlich attraktiver gestalten könnte. 



Stattdessen fließt dort Verkehr, der insgesamt zwar nicht im Altstadt-Zentrum, aber nahebei ein innerstädtisches Problem darstellt. Dabei ist Olbia mit 62.000 Einwohnern ja nicht wirklich groß.

Trafostationen gehören generell immer zu meinen Lieblingsobjekten. Auf Sardinien gibt es viele, sie sind jedoch architektonisch selten attraktiv. Auch in Olbia gibt es viele:


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Am späten Nachmittag wurde ich noch Zeuge einer religiösen Prozession, die durch die Straßen zog:


Nach diesem freien Relax-Tag musste ich am nächsten Morgen um 05:30 Uhr aufstehen. Es war nicht weit bis zur nächsten Bushaltestelle, um den Bus zum Airport zu nehmen. Das hatte ich schon am Vortag recherchiert.

Der Bus kam, natürlich war ich viel zu früh am Airport, aber Störungen im Ablauf sind halt einzukalkulieren. Die Airport-Busse sind auch nicht soo häufig, da der Airport nicht so groß ist. Check-In und Rückflug liefen problemlos. Meine Fingernagelscheren passierten die Kontrolle problemlos. Das nächste Mal nehme ich eine dieser Scheren direkt auf dem Hinflug mit. 

Donnerstag, 14. Mai 2026

An der Nordküste - Santa Teresa Gallura

Affittacamere II Maginon, Santa Teresa Gallura (Doppelzimmer mit Bad, Kühlschrank, 50 €/Nacht). Überzeugt nicht aufgrund ungeklärter WiFi-Probleme. Ich schätze, das WiFi ist hier kostenpflichtig.

Ich beschloss, das Landesinnere wieder zu verlassen und im Norden an die Küste zu gehen - in einen freundlicher wirkenden, etwas wärmeren Ort mit Tourist*innen. Die Aktion machte zwei Zugfahrten und eine Busfahrt erforderlich, etwa je anderthalb Stunden. 

Ich schätze mal, es war für mich die richtige Entscheidung, allerdings ist es auch hier ziemlich kühl dieser Tage (um 20 Grad) und sehr windig/böig.

Ich müsste hier schon einmal gewesen sein, denn es ist der Ort, von dem man von/nach Korsika übersetzt. Das habe ich im Sommer 1981 gemacht. Ich vermute aber, gar nicht hier geblieben zu sein, also nur den Busbahnhof damals kennengelernt zu haben. Keine Ahnung, wie es dort und im Ort damals aussah, heute jedenfalls wirkt Vieles neu/modern. Es ist jedoch ein charmanter Touristenort mit nur 5.000 Einwohnern, der viel hat, natürlich auch Cafés und einen Strand.


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Abends bummelte ich noch durch den Ort, besuchte auch den Turm Longonsardo am Ortsrand am Meer, der im 16. Jahrhundert erbaut wurde und den Hafen bewacht:


Hier und auf den vorgelagerten Terrassen finden sich viele Tourist*innen zum Sonnenuntergang ein, auch wenn es zurzeit aufgrund der windexponierten Lage weniger sein mögen.

Am nächsten Tag machte ich eine Küstenwanderung durch die Macchie-Granitfels-Landschaft mit ihren Felsburgen und Tafoni:



Westlich des Ortes gibt es einen ausgedehnten Küstenbatterie-Standort aus dem 1. Weltkrieg, Ruinen von Bunkern, Häusern. 


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Ich entdeckte nicht alle, und manche Bunker sind auch in Felsburgen integriert, ähneln mitunter den Nuraghen.

Diese Wanderung war ganz nett. Am Ende besuchte ich noch das Gigantengrab Lu Brandali. Dort gibt es auch ein Nuraghen-Dorf, zu dem das Grab gehört: 



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Der Besuch war kostenpflichtig, hier mit 3 € aber sehr moderat.

Abends aß ich noch einen Döner-Teller. 4 € für ein Cola-Fläschchen sind aber nicht ok.

Am nächsten Tag, also heute, ging ich am Hafen spazieren:



Man sieht hier, wo der Reichtum hängt. Millionenwerte liegen ungenutzt im Wasser.

Oberhalb des Hafens liegt - abgesehen von einer weithin sichtbaren Trafostation - noch die Chiesa Nuragica, eine Kirche, die baulich den Nuraghen nachempfunden wurde:



Geöffnet war sie aber nicht. Man hat von dort einen guten Blick über die Hafenbucht:



Ich wollte dann noch gemütlich am Strand sitzen und lesen, aber nach vielleicht 45 min. fing es an zu regnen. Es war nur kurz, aber irgendwie musste man weg. Es ist nicht so einfach möglich, in kurzer Zeit einen regengeschützten Platz zu erreichen, zumal der Strand unten unterhalb der Stadt liegt:



Ich las dann etwas länger auf einer Sitzbank am zentralen Platz des Ortes. Aber es wurde hier wegen Wolken und viel Wind auf die Dauer auch zu ungemütlich.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass mein Käppchen, dass ich als Sonnenschutz brauche, nicht sicher auf dem Kopf blieb dieser Tage, aber auch nicht verloren ging. Der Wind ist in Böen so stark, dass er zumindest Plastikstühle der Gastronomie weg reißt. Sollte mich nicht wundern, wenn ich mich hier in den letzten Tagen noch erkälten werde.