Montag, 22. Juni 2026

Eifel-Wanderung Oberbettingen - Auel - Lissendorf

Am letzten Mittwoch war die jetzige Hitzewelle noch nicht ganz da, zwar schon 27 Grad Max. in Köln, aber nur 24 Grad in höheren Regionen der Eifel.

Ich fuhr mit der Bahn bis zur Station Oberbettingen/Hillesheim, ging dann im  Wesentlichen durch Wiesenlandschaft, es gab aber auch ein paar lokale Highlights.

Nicht weit vom Bahnhof kann man durch das Lierbachtal gehen. Überraschenderweise gibt es dort längst stillgelegte alte kleine Buntsandstein-Steinbrüche, die für den lokalen Hausbau eine Rolle spielten:


An dieser Stelle hier wurde zudem im Jahr 1903 ein damals so benannter Eifelosaurus gefunden:


Wie man sieht, war dieses Tier noch kein richtiger Saurier, sondern mehr eine krokodil- oder waranähnliche Echse.

Neben Fundamentresten sind im Tal auch reliktische Halden der Bergbautätigkeit erhalten:


Danach ging es über durch Felder zum Lühwald-Vulkan. Dort liegt vulkanisches Gestein frei, und man kann wohl annehmen, dass dort ebenfalls mal Abbau statt fand:


Heute ist das ein netter "Flecken" mit Picknick-Bank und -Tisch. Ich glaube, ich sah eine Eule auf der Picknick-Bank, war aber nicht vorbereitet und sie flog weg. Der Vulkan ist relativ abgelegen, nur zu Fuß erreichbar. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass man dort andere Wanderer trifft und schon gar nicht mitten in der Woche.

Ab und zu kommt man an Wegekreuzen vorbei, die von der vormals tiefen Religiosität der Eifel-Bewohner zeugen:


Ich ging dann über die Felder weiter nach Auel, einem Dörfchen mit ziemlich intakten, ummauerten Kirchhof.


Dort standen viele alte Grabsteine:


Ich ging dann weiter über die Felder:


Es ging stetig bergauf bis auf ca. 590 m NN, da ich das Quellgebiet des Mühlenbachs erreichen wollte, um dort dann auf der anderen Bachseite runter nach Lissendorf zu gehen. In den höchsten Bereichen und später im Tal kam ich dann durch Wald:


Wie so oft in der Eifel war es kein besonders geschützter oder alter Wald.


>Wanderroute, aufgezeichnet mit der App "Komoot", 15.9 km, 270 Höhenmeter berghoch, 250 Höhenmeter bergrunter. Ja, bei 24 Grad Max. konnte mich das schon etwas "schlauchen". Wenn es noch wärmer wird, würde ich mit einer 1-l-Flasche-Wasser nicht mehr bequem hinkommen.<

In Lissendorf, das sich lang am Lissendorfer Bach entlang zieht, sieht es "mau" mit der Gastronomie und Geschäften aus:



Ich bin nicht sicher, ob dieser kleine Markt neu ist.

Die Bahnstation hat den Vorteil, dass man für Kuchen/Kaffee/Bier in der Birgeler Mühle einkehren könnte. Ich war diesmal aber nicht dort, weil es sich manchmal aus zeittechnischen Erwägungen wegen dem Stundentakt der Bahn nicht zwingend anbietet, dort zu pausieren. Bei meiner Wanderung im letzten August, hatte ich es geschafft, dort einzukehren, siehe Bericht.

Sonntag, 21. Juni 2026

Bücherwelten: Franka Potente's Story-Sammlung „Zehn“

Frau Potente ist sicherlich primär als Schauspielerin bekannt, vor allem seit ihrem Welterfolg in „Lola rennt“ (1998). 

Ihre Geschichtensammlung ist bisher ein Einzelwerk. Viele Stories spielen in Tokyo, wo häufig ihre Reisen hinführten. 

Die Autorin schafft es aus meiner Sicht, stilistisch japanisch zu wirken und auch verbreitete japanische Eigenheiten zu schildern, etwa die patriarchalisch fundierte Gesellschaftsordnung und den in der Firma erwarteten Arbeitseifer mit vielen unbezahlten Arbeitsstunden und manchen gesellschaftlichen Verpflichtungen in den Abendstunden. 

In den Stories können sowohl junge Frauen als auch junge Männer, Pärchen oder alte Menschen die Hauptrolle spielen. 

Nicht alle Rezensionen sind gerade mit Blick auf die Authentizität der geschilderten japanischen Lebenswelten positiv gewesen, aber kommt es darauf an? Geschichten haben nie den Anspruch, bis in jedes Detail ein "Dokumentarbericht" zu sein. Einige Geschichten gefielen mir jedenfalls sehr gut.

Mittwoch, 10. Juni 2026

Bücherwelten: Emi Yagi's Roman „Frau Shibatas geniale Idee“

Der Debüt-Roman (2020) der japanischen Autorin gewann auf Anhieb einen bedeutenden japanischen Buch-Preis. Das Buch spielt in Tokyo. Eine junge alleinlebende Frau gibt in der Firma vor, schwanger zu sein. Sie arbeitet im Vertrieb einer papierproduzierenden Firma. 

Das Bekenntnis führt automatisch zu zahlreichen Vergünstigungen in der Firma, insbesondere reduzierte Arbeitszeiten und Rücksicht der männlichen Kollegen. Sie wird auch von lästigen, nicht im Arbeitsvertrag formulierten informellen Aufgaben befreit, etwa Kaffee kochen vor Meetings. 

Die Autorin versteht es gut, die patriarchalisch geprägte Gesellschaft Japans vorzuführen. Der Wert des Buches besteht aber auch darin, den nicht firmenbezogenen Lebensalltag einer jungen Frau und ihre Gedanken detailreich darzustellen, Hobbies inklusive. 

Das Buch lässt nicht immer eindeutig erscheinen, ob die Protagonistin wirklich schwanger ist oder nicht, z.B. bei den Schwangerschaftskursen und weil das Baby später oft gegen die Bauchdecke tritt oder bei der Frauenärztin. Die Zweideutigkeit macht auch den Wert des Buches aus. 

Am Ende kehrt sie in die Firma zurück und zeigt den Kollegen gelegentlich Fotos ihres Kindes, die sie bei Instagram geklaut hat. 

Insgesamt ein lesenswertes Buch. Eine gute Buchkritik gab es beispielsweise bei litaffin.