Das ist Phantastik pur, sehr gelungen, mit viel Empathie geschrieben, aber auch sehr beklemmend. Die japanische Schriftstellerin veröffentlichte ihren dystopischen Roman 1994, aber er erschien erst in 2020 auf Deutsch.
Der Roman spielt auf einer kleineren japanischen Insel. Auf ihr verschwinden nach und nach Dinge, aber auch Menschen. Irgendwie merken die Einwohner, dass wieder etwas am Verschwinden ist. Es ist dann wichtig, dass diese Dinge zerstört werden. Auch die Erinnerungen an diese Dinge verblassen bei den meisten Einwohnern.
Es gibt jedoch Menschen, bei denen das so nicht funktioniert. Sie erinnern sich, und sie verstecken auch die Dinge, die für andere Menschen verschwinden. Doch sie werden von der Gedankenpolizei verfolgt, und wenn sie entdeckt werden, per Laster irgendwohin abtransportiert.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht eine Schriftstellerin. Eines Tages muss sie ihren Lektor bei sich verstecken. Außerdem kennt sie einen alten Mann, der ihr oft hilft. Irgendwann verschwinden auch die Bücher. Die Bewohner des Ortes tragen sie zu Verbrennungsorten, auch die Bibliothek wird eingeäschert.
Die Schriftstellerin hat fortan erhebliche mentale Schwierigkeiten, ihren eigenen Roman weiterzuschreiben. Der Lektor, dessen Erinnerungen nicht vom Verschwinden berührt werden, hilft ihr. Dieser Roman erzählt eine eigene Geschichte in mehreren Kapiteln dieses Buches. Er handelt von einer jungen Frau, die bei einem Schreibmaschinenkurs ihre Stimme verliert, die der Lehrer in die Schreibmaschine einsperrt. Sie wird daraufhin mit ihrer Schreibmaschine in ein Zimmer des Kirchturms geführt und eingesperrt, in dem bereits zahlreiche andere Schreibmaschinen mit eingesperrten Stimmen gelagert werden.
Im weiteren Verlauf der Geschichte „verschwinden“ auch Körperteile (die nicht weg sind, sondern nicht mehr funktionieren, etwa ein Arm), bis anzunehmen ist, dass die ganze Welt verschwinden wird.
Man kann sich darüber Gedanken machen, ob der Roman Vorgehensweisen autokratischer Systeme und/oder Alzheimer-Phänomene aufgreift. Das verschmilzt hier, ohne dass Erklärungen geliefert werden.
Einige in der Interpretation interessante Ausführungen zum Roman kann man beispielsweise bei literaturkritik lesen.



















