Freitag, 29. September 2017

Filmwelten: Körper und Seele

Eine Reise zu einem Schlachthof in Ungarn.

ldikó Enyedi's ungarischer, in mancher Hinsicht beeindruckende Film Körper und Seele spielt überwiegend auf einem Schlachthofgelände. Hier arbeiten auch Frauen. 

Eine davon, von grazil-zerbrechlicher Schönheit, ist neu eingestellt als Lebensmittelkontrolleurin. Ihr merkwürdig steifes, klinisch akkurates Auftreten, das sie auch zu Hause zelebriert, bringt sie bald in eine Außenseiterposition. 

Wenig später werden Potenzmittel (für die Stiere) aus dem Medikamentenschrank gestohlen und im dortigen Raum randaliert, meist sind es Schmierereien. 

Die Polizei wird eingeschaltet und diese beauftragt mit Einverständnis des Chefs eine Psychologin, die die gesamte Belegschaft des Schlachthofs untersuchen soll. Diese ist attraktiv. Speziell die Schlachter, sowieso testosterongesteuert, sind irritiert von diesen beiden Frauen. 

Die Psychologin beginnt ganz cool die Einzelgespräche mit dem Personal, alle Gespräche werden mit Recorder aufgenommen. Auch der Chef, der sie anzüglich anguckt hatte, ist dran. Ihre erste Frage lautet: „Wann hatten Sie Ihren ersten Samenerguss?“. Er, wie auch alle anderen, versuchen erst einmal empört und verlegen drumherumzureden. Später werden alle nach ihrem letzten Traum gefragt. Der Chef erzählt, er sei ein Hirsch gewesen und hätte gemacht, was Hirsche eben so machen im Wald. Der Film zeigt, was die Hirsche da machen. 

Die Lebensmittelkontrolleurin erzählt, sie sei eine Hirschkuh gewesen und inhaltlich ungefähr dasselbe wie der Mann. Die Psychologin ist erst irritiert, dann empört. Sie spielt den beiden die aufgenommenen Protokolle vor. 

Später kommen sich Chef und Lebensmittelkontrolleurin näher, wollen zu Hause auch „zusammen einschlafen“. Die Psychologin überführt den Täter. 

Ein gelungener Film, man kann verstehen, dass er den Goldenen Bären in Berlin gewonnen hat. Aber, man muss Blut sehen können, sehr viel Blut – und nicht nur, wenn den Rindern im Schlachthof der Kopf vom Leib getrennt wird. 

Die Regisseurin „erzählt in vielen Großaufnahmen, fängt im Detail ein, was den Alltag der Menschen bestimmt, aber auch das Besondere. Das sind nicht immer schöne Bilder, aber doch gute“, meint kino-zeit. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen