Lars Kraume inszenierte hier ein Historiendrama, in dem die Ethnologie nicht gut weg kommt. Vielmehr werden die Verstrickungen der Wissenschaftler mit dem Militär und der deutschen Kolonialmacht beispielhaft im Falle von kriegerischen, genozidartigen Auseinandersetzungen mit den Herero und Nama im heutigen Namibia aufgezeigt.
Der Film spielt etwa in der Zeitspanne 1896 – 1920. Damals war die Ethnologie mit Themen wie Rassenforschung und Schädelvermessungen schwer beschäftigt. Der Film spielt am Anfang und am Ende in Berlin und zeigt dort den Uni-Betrieb mit Vorlesungen, Schädelvermessungen etc. Damals kamen auch zeitweise „Gäste“ aus Afrika nach Berlin, so dass man auch Schädelmessungen am lebenden Objekt und sonstige Studien, etwa zur Intelligenz der Gäste treiben konnte, um Beweise und Argumente für irgendwelche Theorien zu sammeln.
Eine Herero-Frau ist Dolmetscherin und der Hauptprotagonist des Films kann sich mit ihr über das Volk der Herero austauschen. Er glaubt zunächst nicht, dass es kausale Zusammenhänge zwischen Schädel-/Gehirngröße und der Intelligenz geben würde, wird von seinem Professor aber mehrfach gewarnt, dass seine Sichtweise sich nicht förderlich für seine Wissenschaftlerkarriere auswirken würde. Es ist schon interessant, wie der Film darstellt, wie Professoren ihre Studenten im Sinne ihrer Theorien korrumpieren bzw. unter Druck setzen. Das dürfte wohl auch heute noch der Fall sein, wenn es um „echte“ Theorien geht.
Im Zentrum des Films steht dann die Reise zweier Ethnologen nach Deutsch-Südwestafrika und ihre Erlebnisse dort. Sie kommen mit einem Dampfer dort an, der wegen größerer Unruhen (ab 1904) zur militärischen Verstärkung dort hin geschickt wird. Unter dem Schutz des Militärs können sie an militärischen „Expeditionen“ ins Landesinnere teilnehmen, Beweise und „Gegenstände“ sammeln.
Der eine Ethnologe stirbt schon bald am Biss einen Schlange, der andere wird Zeuge der Greueltaten und der Versklavung der Herero in Konzentrationslagern. Und er macht sich mitschuldig. Nicht durch aktive Gewalt, aber der Film zeigt beispielhaft, wie die Ethnologie hier an Kunstschätze, Artefakte und Schädel gekommen ist, nämlich durch Plünderung und auch aktive Schändung heiliger Grabstätten.
Seine Karriere im Blick, sucht der Ethnologe dem Wunsch seines Professors nachzukommen, den Berliner Mangel an Schädeln zu beheben. Der Film zeigt ziemlich drastische Szenen zur „Schädelgewinnung“ sowie deren „Säuberung“. Keine Ahnung, wie fiktiv das ist, aber fest steht wohl, dass es 3.000 Schädel allein in der Berliner Charité gibt und seit 2011 gelegentlich deutsche Schädel- und Gebeinübergaben an Namibia erfolgten (siehe wikipedia). Das sagt aber noch nichts aus über die Art und Weise ihrer Gewinnung.
Es wird deutlich, dass es keinerlei Menschenachtung mehr gegenüber den Herero gab und hier in wesentlichen Zügen bereits systematischer Völkermord so betrieben wurde wie er einige Jahrzehnte später in perfektioniertem, industriellen Ausmaß bei der Judenvernichtung betrieben wurde. Auf Details, etwa dass es noch keine Gaskammern gab und die Herero stattdessen in der Wüste verdursteten, kommt es dabei nicht an.
Hauptverdienst des Films ist vermutlich, diesen weniger beachteten Völkermord ins Rampenlicht zu stellen. Bei Kinofilmen, die in der Nazizeit angesiedelt sind, verspüre ich nach langjährigem gelegentlichen Konsum solcher Filme nämlich mittlerweile Übersättigungstendenzen, so dass neue Filme jedenfalls für mich oft nicht mehr relevant genug für einen Kinobesuch sind.
„Packendes und hochrelevantes Erzählkino“, meint fbw-filmbewertung. Das fand ich auch, aber es waren nicht alle Kritiker begeistert, da der Film aus einer westlichen Kolonial-Perspektive erzählt wird, während die Herero über weite Strecken des Films auch schauspielerisch nur noch Randfiguren sind.
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