Donnerstag, 8. November 2012
Eine Wanderung durch die Kritsa-Schlucht und zur dorischen Ruinenstadt Lato
Gestern. Aus den Aufzeichnungen:
Kritsa, ein Großdorf an einem steilem
Hang, liegt nur 8 KM von Agios Nikolaos entfernt und ist mit dem Bus
erreichbar. Natürlich musste ich dafür wieder früh aufstehen.
In Kritsa trank ich dann erst einmal einen Filterkaffee.
Der Eingang zur Kritsa-Schlucht war dann leicht zu finden. Meistens geht man im Schotter des ausgetrockneten Flußbettes - wie in der Imbros-Schlucht. Manchmal waren diesmal allerdings auch die Hände und etwas Kraft erforderlich, da der Bach eine enge Röhre erodiert hat, die zu durchsteigen war.
>Man sieht hier in der Röhre Metallhaltegriffe. Andernfalls hätte ich wohl beim Durchsteigen auch Schwierigkeiten gehabt.<
Im Oberlauf weitet sich die Schlucht. Man geht weiter im Schotterbett.
Ich sah eine kleine Leopardnatter versteckt durch den Flussschotter kriechen, man sah aber immer nur den Kopf oder mal Teile des Rumpfes. Ich setzte mich zwar 5 Minuten ruhig hin, aber die Natter ließ sich nicht mehr vollständig erblicken und verschwand schließlich ganz. Einige Kilometer weiter sah ich dann eine größere tote Leopardnatter auf einer Straße:
Die Tiere sind selten, es gibt sie nicht in Deutschland, und sie gelten als relativ beißfreudig.
Die Schlucht endet bei Tapes:
Danach - zur Ruinenstadt Lato und zurück ist der Weg nicht mehr so toll - viel Straße, auch wenn kaum ein Fahrzeug hier fuhr.
Lato, auf einem Bergsattel gelegen, ist ganz nett und gehört zu den besterhaltenen Ruinenstädten Kretas.
Lt. Reiseführer ist Lato das Machu Picchu Kretas. Nun ja, im Kleinformat, will ich meinen.
Lato wurde wahrscheinlich im 4. Jahrhundert v. Chr. von den Dorern freiwillig aufgegeben, da man nunmehr küstennäher leben wollte. Bei Agios Nikolaos lag der Hafen von Lato - kein Wunder, dass die Bewohner irgendwann keine Böcke mehr auf die Warentransporte nach Lato hatten.
Unterhalb von Lato liegt ein intramontanes Becken. Man sieht fast nur Olivenbäume dort.
Wetter:
20:00 Uhr, 23.8 Grad, 77 % Luftfeuchte.
Treibgut - Donnerstag, 8. November 2012, 20:28 - bearbeiten - Rubrik: Reisen
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capra ibex - Donnerstag, 15. November 2012, 22:13
tote Leopardnatter
also
überfahren sieht die eigentlich nicht aus, da müßte sie ja platt
sein.
Bist du sicher dass sie tot war? Oder ist sie an Schock
gestorben als links und rechts von ihr die Autoreifen vorbeigerast
sind. Oder sie war in einer Art Schockstarre ......
Treibgut - Donnerstag, 15. November 2012, 23:00
Nein,
... tot, denke ich. Du kannst am linken Bildrand, Bildmitte sehen, dass sie aufgeplatzt ist und ein Stück Innereien rausguckt. Muss nicht zwingend überfahren worden sein (z.B. durch ein Moped), könnte theoretisch auch Opfer eines Raubvogels gewesen sein, der sie fallen gelassen hat, aber Fundort "Straße" lässt eher auf überfahren schließen.
Donnerstag, 8. November 2012
Busrundfahrt durch Ost-Kreta
Heute. Ein tendenziell eher übler Tag. In der Nacht regnete es mehrmals heftig.
Heute morgen beschloss ich, mein Quartier in Agios Nikolaos nicht zu wechseln. Stattdessen besuchte ich mit dem Bus zunächst Ierapetra an der Südküste, lt. Reiseführer die südlichste Stadt Europas (wenn Zypern nicht zu Europa gehört). Indes, viel gab es da nicht zu sehen, auch wenn es dort ein venezianisches Fort gibt. Es waren auch keinerlei Touristen da.
Ich sah Katzen, die sich durch einen Hund bedroht fühlten:
Speziell hier auf Kreta gibt es nach meinem Geschmack eindeutig zu viele Hunde.
In Sitia goss es dann fast nur noch während meines 3-stündigen Zwangsaufenthaltes. Außerdem viel Wind und die Temperaturen fielen erheblich.
Von einer Stadtbesichtigung will ich gar nicht sprechen. Es gibt aber auch hier nicht viel zu sehen. Ein venezianisches Fort gibt es aber auch hier:
Zurück ging es dann im Dunkeln (auch nicht sehr sinnig) wieder nach Agios Nikolaos mit dem dritten Bus. Es goss fast nur, auch als ich am Busbahnhof ankam.
Hier in Agios Nikolaos habe ich inzwischen ein Internetcafé gefunden. Genau genommen, fand ich es schon gestern Abend, aber ich war gerade eine Minute drin, da brach die Stromversorgung der Stadt komplett zusammen. Deshalb stockt die Berichterstattung derzeit etwas, zumal ich in Ierapetra nur bankrotte und in Sitia gar kein Internetcafé gesehen habe.
Treibgut - Donnerstag, 8. November 2012, 20:30 - bearbeiten - Rubrik: Reisen
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Talakallea Thymon - Mittwoch, 14. November 2012, 14:21
Auf
den Transparenten ist zu lesen:
"Nein zu weiteren
Kürzungen in unserem Leben. Nein zur Verelendung der Arbeitenden. Es
reicht!"
Ebenso deutlich in der Sprache wie diffus in den
Zielen -- das kann alles heißen (und würde in jedes Land passen,
denke ich.).
Treibgut - Mittwoch, 14. November 2012, 14:41
Griechisch
...
als ich dieses Bild ins Internet stellte, habe ich natürlich an Sie
gedacht. Besten Dank für die Übersetzung.
Ja, das Plakat
kann in jedes Land passen, aber es wird wohl einen aktuellen Anlass
haben, zumal die Schulden Griechenlands wieder Gegenstand auf einem
EU-Gipfel waren. Ich nehme an, dass benachbarte Gebäude war ein
Arbeitsamt.
Ich verstehe sowieso nicht so recht, wie man in
Griechenland noch klar kommt. Mein Eindruck war, dass dort fast alles
mindestens so teuer wie in Deutschland ist, wenn nicht teurer, z.B.
die Lebensmittel.
Sonntag, 11. November 2012
Zakros - eine Wanderung durch das Tal der Toten
Hotel Zakros, Zakros (Zimmer mit Frühstück 22 €/Nacht)
Zakros, ein Dorf ganz im Osten Kretas:
Am Freitag konnte ich in Agios Nikolaos mal ausschlafen. Um 8 Uhr war ich dann allerdings sowieso wieder munter (in Köln nie um diese Zeit). Ich ging in die Stadt, hob Geld am Automaten ab, besuchte noch mal das Internetcafé, u.a. um den Wetterbericht von Sitia zu studieren.
Dann checkte ich aus im Pergola Hotel, beschloss aller Risiken insbesondere bezüglich der rechtzeitigen Rückkehr zum Trotz, erst wieder nach Sitia und dann nach Zakros zu fahren. Ich wusste nicht sicher, ob es in Zakros eine Unterkunft gibt, wohl aber, dass kein Bus rechtzeitig von dort zurückfahren würde, um den Flieger zu kriegen. Das Leben ist halt nicht sorgenfrei und der Urlaub daher meist auch nicht.
Aber in Zakros gab es ein Hotel, in dem ich sofort unterkam. Diese Sorgen waren schon mal unbegründet.
Abends stürmte es zeitweise. Ich dachte schon, mit Ohrstöpseln schlafen zu müssen, denn der Wind pfiff und fauchte durch das zugige Hotel, und die Fenster schlugen oft gegen die Fensterrahmen. Aber in der Nacht war es ruhig, es schien sich um ein lokales Windsytem zu handeln, das immer nur morgens und abends auftritt.
Überhaupt, nachdem es am Donnerstag ziemlich goss, scheint das schöne warme Wetter vorbei zu sein:
17 Uhr 30, 15.9 Grad, 66 % Luftfeuchte. Am nächsten Tag sollte die 21-Grad-Marke nur noch so gerade eben geknackt werden. Aber im Hotelzimmer gab es viele Decken für die Nacht.
Das Frühstück am nächsten Morgen war schwach, die Dame konnte noch nicht einmal heißes Wasser kochen, also auch keinen ordentlichen Kaffee. Man bekam lauwarmes Wasser und ein Schälchen mit Nescafepulver hingestellt. Anders als in Agios Nikolaos war aber wenigstens das Duschwasser lauwarm. Am heutigen Morgen konnte die Dame immer noch keinen Kaffee kochen, aber erstaunlicherweise gab es ein Ei zum Frühstück - und das war bemerkenswert gut gelungen.
Zakros liegt ein paar Kilometer oberhalb der Schlucht der Toten, die auch als Grande Canyon Kretas bezeichnet wird.
Wer nun denkt, hier lägen die verblichenen Skelette namenloser unglückseliger einsamer Wanderer herum - noch erkenntlich an den umgeschnallten Tagesrucksäckchen - irrt. Es gab überhaupt keine Skelette zu sehen, bestenfalls ein paar Knochen.
Der Name der Schlucht geht auf die Minoer zurück, die hier in Höhlen an den Schluchtwänden ihre Toten bestatteten.
Auch in den Höhlen - sofern überhaupt zugänglich - sah ich nichts. Es stank nur nach Ziegenscheiße.
Den Einstieg in die Schlucht zu finden, erwies sich als nicht so leicht, obgleich es bereits im Ort Hinweisschilder gibt. Aber wie das eben so ist, die Hinweisschilder verlieren sich irgendwann. Auch die Beschreibung in meinem Wanderführer fand ich ziemlich unbrauchbar. Aber nach einem bisschen Herumirren fand ich den Weg.
Der Weg durch den Canyon, der bei Kato Zakros ins Meer mündet, ist dann ziemlich einfach zu gehen. Und es ist ein lohnenswerter Weg durch tolle Natur.
Neben den Felskulissen und der üblichen Strauchvegetation, die in Griechenland und im östlichen Mittelmeerraum Phrygana genannt wird, gab es wieder viele Oleanderbüsche und stellenweise sogar große Platanen zu sehen, zumal der Oberlauf des Baches noch Wasser führte und mitunter gestaut wird.
Bis zum Meer braucht man auch nur 2 Stunden. Menschen traf ich in der Schlucht nicht. Man wird nur von neugierigen Ziegen beobachtet, die manchmal auch in den Bäumen herumklettern, um an das Laub zu kommen:
Die dornbewehrten Kugelbuschgewächse der Phrygana sind selbst für Ziegen keine annehmbare Nahrungsquelle.
Die Neugierde der Ziegen ist wohl auch der Hauptgrund dafür, wenn man manchmal ganze Ziegenherden auf der Straße antrifft. Das Land ist ja schon karg, aber auf der Straße wächst gar nichts. Irgendwann wurde mir klar, dass die Ziegen nur "Busse gucken" wollen.
Wo die Schlucht ins Meer mündet, stehen die Grundmauern und einige Wände eines der vier minoischen Paläste (Kato Zakros), die man auf Kreta ausgegraben hat.
Aus meiner Sicht muss man die Ruinen nicht unbedingt sehen, auch wenn sie historisch bedeutsam sind.
Am Meer gibt es hier auch Strand und ein paar Tavernen:
Zurück ging ich dann denselben Weg, obwohl es auch einen anderen gegeben hätte. Es erschien aber lohnend, nochmal diesen Weg zu gehen. Mir kam diesmal starker kühler Wind entgegen, und die Schlucht verschattete sich zusehens.
In Zakros selbst, ein Haufendorf, das wie viele andere Dörfer Kretas an einem steinigen Hang klebt, gibt es nichts Besonderes zu sehen. Es gab noch nicht einmal eine brauchbare Taverne, so dass ich im Laden dort eine Dose Ölsardinen, eine Banane und eine Dose Bier zum Abendessen kaufte - geht auch.
Abends erklärte der Boss des Hotels, er würde mich am nächsten Tag um 12 Uhr nach Sitia bringen. Das passierte dann heute auch, kostete mich 20 €, die weitgehend Benzinkosten sind. Hätte ich tatsächlich ein Taxi ordern müssen, wäre ich eine ganze Stange Geld losgeworden, denn die Taxipreise liegen kaum unter den deutschen - und wer weiß, von wo es hätte kommen müssen.
Übrigens war der Boss auch schon mal in Köln. Und er erzählte mir von der anstehenden Olivenernte. 600 Bäume hat er. Erstaunlich fand ich, dass auch in Griechenland anscheinend saisonale Arbeitskräfte importiert werden - in seinem Fall aus Bulgarien. Einige dieser Arbeiter waren im ansonsten leeren Hotel untergebracht.
Danach standen noch rd. 3 Stunden Busfahrt "Sitia - Iraklion" an - und am frühen Abend war ich dann wieder hier im REA-Hotel, wo ich ursprünglich am 1. Kreta-Tag abstieg.
Morgen früh fliege ich dann zurück nach Deutschland.
Treibgut - Sonntag, 11. November 2012, 20:30 - bearbeiten - Rubrik: Reisen
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Elisabetta1 - Sonntag, 11. November 2012, 23:35
Heute
habe ich nun die ganze Reise nachgelesen und die beeindruckenden
Bilder bewundert. Kreta, wie ich es (natürlich) nicht kenne. Unsere
damaligen "Wanderungen" haben sich auf die Samaria Schlucht
und den Mietwagen beschränkt. Da wir Ende Oktober dort waren,
hielten sich die "Massen" noch in Grenzen.
Dank Deiner
Reise, konnte ich "den Rest" miterleben.
;-)
Treibgut - Montag, 12. November 2012, 21:40
Reise
.... ich war auch nur 12 Tage da, "den Rest" siehst du daher hier auch nicht. Es gibt da noch viel viel mehr zu sehen und zu erwandern - dafür braucht man dann u.a. einen Mietwagen und/oder mehr Zeit.
(summary of posts, 12/2024. Text slightly changed, number of photos reduced)
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