Mittwoch, 2. April 2025

Bücherwelten: Toshikazu Kawaguchi's Roman „Bevor der Kaffee kalt wird“

Japanische Romane lese ich in den letzten Jahren ganz gerne mal. Sie haben, jedenfalls jene, die ins Deutsche übersetzt werden, oft einen hohen Empathie-Faktor, zeichnen sich durch genaue Beobachtungsgabe für Alltagssituationen aus und handeln oft auch von eigensinnigen Personen. 

Dieser Roman erschien im Original im Jahr 2015 und wurde ein Welterfolg. 

Die Geschichte spielt in einem kleinen Café in Tokyo. Wir lernen die Betreiber*innen und die Stammgäste dort kennen. Und es wird viel Kaffee gekocht und ausgeschenkt. 

Doch dies ist ein Zeitreise-Roman. In dem Café gibt es einen Sitzplatz, auf dem fast immer ein Geist sitzt und gern Kaffee trinkt. Nur einmal am Tag geht der Geist auf Toilette. In dieser Zeit wird der Platz frei, und eine andere Person kann sich dort hinsetzen und – eventuell – eine Zeitreise machen. Diese Zeitreise dauert so lange, wie ein Kaffee braucht, um kalt zu werden. 

Es gilt, viele Regeln zu beachten, die im Roman nach und nach aufgedeckt werden; so darf man den Platz nicht verlassen, und eine Zeitreise können sowieso nur diejenigen machen, die eine Person besuchen wollen, die bereits zuvor schon mal im Café gewesen ist. Die Zeitreisenden wollen meist ein schwerwiegendes zwischenmenschliches Problem beleuchten bzw. eine Situation im Café, die sie erlebt haben, anders gestalten. 

Im Grunde geht es in diesem Roman um den Abbau von Schuldgefühlen, Wiedergutmachung und um Trauerarbeit. Und es kommen auch Gäste aus der Zukunft, etwa ein Mädchen, um seine Mutter zu besuchen, die 15 Jahre später bei ihrer Geburt sterben wird. 

In diesem Zeitreise-Roman können die Reise in die Vergangenheit und die Handlungen dort nicht die Gegenwart bzw. Zukunft ändern. In Natasha Pulley's Zeitreise-Roman „Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit“, den ich ebenfalls kürzlich las und in anderen Zeitreise-Romanen kann das anders sein und die zurückkehrenden Zeitreisenden in einer ganz anderen Gegenwart herauskommen. 

Wie auch immer, es ist ein tolles Buch. 

Das Bedürfnis nach seelischer Erleichterung und nach einer heilen Welt besteht vielleicht heute wieder in besonderem Maße“, meint literaturkritik.

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