Mittwoch, 10. Juni 2026

Bücherwelten: Emi Yagi's Roman „Frau Shibatas geniale Idee“

Der Debüt-Roman (2020) der japanischen Autorin gewann auf Anhieb einen bedeutenden japanischen Buch-Preis. Das Buch spielt in Tokyo. Eine junge alleinlebende Frau gibt in der Firma vor, schwanger zu sein. Sie arbeitet im Vertrieb einer papierproduzierenden Firma. 

Das Bekenntnis führt automatisch zu zahlreichen Vergünstigungen in der Firma, insbesondere reduzierte Arbeitszeiten und Rücksicht der männlichen Kollegen. Sie wird auch von lästigen, nicht im Arbeitsvertrag formulierten informellen Aufgaben befreit, etwa Kaffee kochen vor Meetings. 

Die Autorin versteht es gut, die patriarchalisch geprägte Gesellschaft Japans vorzuführen. Der Wert des Buches besteht aber auch darin, den nicht firmenbezogenen Lebensalltag einer jungen Frau und ihre Gedanken detailreich darzustellen, Hobbies inklusive. 

Das Buch lässt nicht immer eindeutig erscheinen, ob die Protagonistin wirklich schwanger ist oder nicht, z.B. bei den Schwangerschaftskursen und weil das Baby später oft gegen die Bauchdecke tritt oder bei der Frauenärztin. Die Zweideutigkeit macht auch den Wert des Buches aus. 

Am Ende kehrt sie in die Firma zurück und zeigt den Kollegen gelegentlich Fotos ihres Kindes, die sie bei Instagram geklaut hat. 

Insgesamt ein lesenswertes Buch. Eine gute Buchkritik gab es beispielsweise bei litaffin.

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