Montag, 4. Mai 2026

Mehr Prähistorik - Die Tage in Macomer

La Fenice House, Macomer/Sardinien (Appartement mit Balkon und Küche, 60 €/Nacht)

Die Kleinstadt Macomer mit 9.000 Einwohnern ist nicht gerade ein Touristenort. Man merkt es sofort, man sieht keine Tourist*innen, Cafés sind extrem dünn gesät, es gibt Industrieruinen am höchsten Punkt der Stadt und im Umfeld des Bahnhofs.



Die wirkt etwas eigentümlich mit ihren wenig belebten Straßen.

>Lost Places<


Es gibt bemerkenswert viele Murals in der etwas grauen Stadt:


....




Es gibt aber eine große Dichte an prähistorischen Stätten im Umfeld der Stadt. Einige Nuraghi liegen stadtnah. Es gibt ein relativ ansprechendes Ensemble von Friedhof, Kakteenpark und Nuraghe. Letztere, die Nuraghe Corte ist allerdings Wildnis, durch die man sich etwas durchkämpfen muss, ...


... während der Park einen guten Fußweg hat:


Auch die Nuraghe Orosai ist gut erreichbar:


Am zweiten Tag vor Ort machte ich einen Bahnausflug mit einem Schienenbus, eine absolute Nebenstrecke, die auch nicht von Trenitalia betrieben wird, sondern von der auf Sardinien tätigen Busgesellschaft:



Ich fuhr nur zwei Stationen nach Bortigali, einem größeren Dorf:


Übermäßig viel zu sehen gibt es dort nicht, aber dies war auch nicht meine Erwartung:


Vielmehr ging es darum, dort eine Wanderung zu machen, weil es diverse Nuraghi in der Umgebung gibt. Meistens waren sie allerdings faktisch nicht zu erreichen, weil die Zugänge/Felder gesperrt waren. 

Die Wege wirkten streckenweise ziemlich archaisch mit ihren Mauern aus großen Steinen. Einen Ort, der sich auf meiner Karten-App OsmAnd Ensemble Nuragic of Carrarzu'e Iddia nennt, war dann doch mit geringen Schwierigkeiten erreichbar. Ich zeige mal einige Bilder:


Das ist die Nuraghe. Sie hat auch einen (erhaltenen) Wasserspeicher:


Es gibt ein Dolmenfeld, das aber wahrscheinlich besser aus der Luft erkennbar ist:


Außerdem gefällt die archaische Umgebung:




....


Prägend für nicht genutzte Landschaft ist der gerade gelb blühende Riesenfenchel, der 2 - 3 m hoch werden kann. Es ist eine typisch mediterrane Pflanzen, von der es regional divers einige Unterarten gibt:


Dieser Riesenfenchel ist in Deutschland's Natur nicht heimisch, da er nicht viel Frost aushält.

Ich wanderte bis nach Biroli, wo ich wieder in den Schienenbus stieg. Am Rande Dorfes schaute ich mir noch ein Gigantengrab an:


Am dritten Tag machte ich eine weitere Wanderung, die zu dem Komplex Tamuli führte. Der Ort liegt 5 km außerhalb von Macomer. Eine einsame Straße führt dort hin und vorbei. Landschaftlich ist der Weg ganz ansprechend, denn er führt über einen 720 m NN hoch gelegenen Sattel und bietet gute Ausblicke:


....




Interessanterweise ist dieser Ort kostenpflichtig (5 €), und es gab auch einige motorisierte Besucher. Ich fand es bemerkenswert, dass der Ort am 1. Mai geöffnet hatte.


Zu sehen gibt es dort eine Nuraghe, nuraghische Dorfruinen, drei Gigantengräber mit Bäthyle, also Steine, die Gottheiten symbolisieren: 


.... die Bäthyle😊.


.... eines der Gigantengräber.

Man hatte auch eine tolle Aussicht. Auf dem Foto unten sieht man eine weitere (nicht erreichbare) Nuraghe am Horizont:


Auf dem Weg zurück fällt der Blick auf Macomer:


Leider musste ich denselben Weg zurücklaufen. Es gibt keine Alternative.



Freitag, 1. Mai 2026

Eine Wanderung bei Oschiri

Sa Rosa e su Trapperi, Oschiri (Doppelzimmer mit Bad und Frühstück sowie angeschlossener Außenterrasse, 57 €/Nacht)

Sardinien. Ich war vorübergehend umgezogen in ein Dorf mit etwa 3.000 Einwohnern, umgeben meist von Wiesen mit lose eingestreuten Korkeichen in hügeliger Landschaft. 

Das Dorf wirkt freundlich, viel zu sehen gibt es jedoch nicht:



Es gibt ein paar Cafés unweit der beachtlich großen Kirche, auch öfter Lost Places in der Bausubstanz. 



Der größte Lost Places ist jedoch eine alte Fabrik am Bahnhof, der am Rande des Dorfes liegt:



Es gibt in der Umgebung prähistorische Nuraghi, Nekropolen, Domos de Janas (Feenhäuser, Felshöhlengräber) und einen berühmten "Altar". Diese Orte wollte ich besuchen.

Die Landschaft erwies sich als sehr "hermetisch" verschlossen. Man kann zwar auf Wegen wandern, kommt aber doch meist nicht zu den prähistorischen Stätten. Meist sind es Steinmauern aus groben Blöcken, die die Felder begrenzen, Tore oder Stacheldrahtzäune schützen die Zugänge.

Am Rande des Dorfes gibt es einen Kakteenwald: 



Nicht weit entfernt liegen zwei Orte mit Domos de Janas. Der erste Ort war unzugänglich. Sie liegen auf einem Feld, kein Weg, das Feld ist Privatland und abgesperrt. Das ist der gängige Regelfall. Der zweite Ort war anders, der Weg, durch umgehbares Tor abgesperrt, führt zu einer alten Kirche. Vor der Kirche liegt der "Altar", ein langer Granitblock, in den geometrische Muster und Nischen geschlagen wurden:



Man nimmt an, dass es eine nuraghische Kultstätte war, echte Fakten gibt es jedoch nicht.

Die Domos de Janas liegen auch in dem unübersichtlichen felsigen Gebiet, ich habe aber nur wenig davon finden können:


>Feenhaus, Oschiri<

Es ist halt schwierig begehbar und zum Teil sehr zugewachsen.

Am nächsten Tag nahm ich einen längeren Weg, der an zwei Nuraghi und zwei Nekropolen  vorbei führte. Es war ein schöner, aber mit 25/26 Grad im Schatten ein doch etwas warmer Tag. Schatten gibt es mitunter, wenn am Weg Korkeichen oder hohe Sträucher stehen.

Alle prähistorischen Orte waren unzugänglich, z.B.:



>Necropoli Domos de Janas di Monte Cuccu. Das ist leider ein Foto durch den Zaun. Hier kam ich nicht rein<


>Necropoli di Pedreso. Man kommt dort nicht hin<



>Auf dem Hill da hinten liegt die Nuraghe Mastru Franziscu. Man kommt dort nicht hin<

Was bleibt, sind die streckenweise schönen Wege:


.... Korkeichen:



Beim schönen Weg, der an der Necropoli di Pedreso vorbei führte, hatte ich Blick auf den Lago Coghinas: 

Man sieht hier auch den Anbau von Weinreben.

Rinder oder Ziegen gab es mitunter auch zu sehen:



Wermutstropfen der Tour war auch, dass viel Straße dabei war. Verkehr war aber relativ selten.

27.900 Schritte an diesem Tag, mein bisheriges Maximum hier.

Dienstag, 28. April 2026

Ankunft und die Tage in Olbia (Sardinien)

Camelia's House, Olbia (Doppelzimmer mit Bad , Zugang zu Hausterrasse, freien Kaffee, 60 €/Nacht)

Hotel Stella 2000 , Olbia (Doppelzimmer mit Bad und Frühstück, 64 €/Nacht)

Erster Tag. Der Hinflug funktionierte trotz meiner Sorgen. 04:45 Aufstehen war natürlich nicht meine Zeit. Ich war dann, da alles reibungslos lief, frühzeitig am Airport, wo ich diesmal auch erstmals frühstückte und erst dort meine erste Unterkunft bei booking.com buchte.

Um 12 Uhr war ich dann schon pünktlich in Olbia. Check-In war erst um 15:00, reichte aus, schon vorher Teile von Olbia zu erkunden. Außerdem musste auch erst noch ein Busticket erworben werden, aber ich erhielt einen Hinweis, dass es in der Airporthalle einen Automaten gäbe.



Jemand vom Camelia's House kam, nachdem ich mein Eintreffen per booking.com Kund' getan hatte. Leider habe ich mir die code-gesteuerten Öffnungs-/Schliesssysteme nicht ausreichend erklären lassen, so dass ich später Probleme hatte und noch einmal jemand kommen musste. Ansonsten war ich an dem Tag dann doch etwas "tot", die Nacht war nicht lang genug.

Ein Lieblingscafé hatte ich am Marktplatz, wo nichts los war:


Aber wie man dort schon sieht, gibt es ziemlich viel Graffiti in Olbia.


Im Park ist es auch noch ganz nett:





Zweiter Tag. Meine erste besichtigte Nuraghe. Es sind bronzezeitliche Megalithbauten.

Diese hier liegt in den Bergen über Olbia, und die "Wanderung" dorthin war ca. 7 km lang, davon mehrere km durch ein weitläufiges Gewerbegebiet. Ich wusste nicht, dass ich 4/5 km mit einem Bus hätte fahren können 😬. Auf dem Rückweg dann schon😅, denn am anderen Ende des Gewerbegebiets kam ich an einer Bus-Endhaltestelle vorbei. Bevor das dann mit der Busfahrt geschehen konnte, musste ich allerdings erst eine App herunterladen und einrichten, das dauerte.

Hinter dem Gewerbegebiet wurde der Weg jedenfalls schöner. Man sah einzelne Kakteen und zunehmend Felsen mit Tafoni-Verwitterung. Auch blühen anscheinend Flechten auf nackten Felsen gerade rot:



Irgendwann kommt dann der Abzweig zur Nuraghe, später mit Tafel und Hinweisen. Eintritt musste man nicht zahlen,  aber ab dort wurde es spannend, der Weg wurde zum Pfad, steiler, steiniger. 

Das Highlight war vielleicht noch nicht einmal die Nuraghe, sondern die Landschildkröte, die nahe dem Pfad zu entdecken war:



Die einzige Landschildkröte, die ich zuvor mal in freier Natur gesehen habe, war um 1983/84 auf einem Griechenland-Kartierpraktikum.

Auf den letzten 20/30 m in der Nuraghe wurde es hakelig, denn der Felsenpfad wurde nach Passieren des Tores in dem Mauerwall sehr steil und es gab mehrere Pfade. 



Nun, ich schaffte es doch noch nach ganz oben, aber das Problem ist erfahrungsgemäß nicht der Auf-, sondern der Abstieg. Ich habe da schon erhebliche Probleme. Außerdem brauchte ich etwas, den Weg zurück wiederzufinden. Oben war es übrigens nur bedingt interessant, aber sehr windig.



Es war nicht die "leichteste" Nuraghe🫣, aber dieser Ausflug lohnte👍, auch wegen der Schildkröte 🐢.

Es waren übrigens sogar ein paar andere Tourist*innen dort, die ich teilweise schon auf dem Weg hinauf traf.

Dritter Tag. Ein Ausflug in die kleine Stadt Arzachena. Liegt etwa 25 Bus-Kilometer westlich von Olbia. Auch hierfür sollten zwei Apps getestet werden und vor allem, ob der Bus auch kommt und man an der richtigen Stelle steht. Das funktionierte.

In Arzachena gibt es nicht übermäßig viel in der Stadt zu sehen. Am höchsten Punkt liegt eine Kirche, so dass man über den Ort schauen kann. 



Am markantesten sind die umgebenden Felsformationen. 

Am Rande der Stadt gibt es aber drei prähistorische Stätten, eine Nuraghe, ein Gigantengrab und einen Tempel. Der Bus hat dort aber keine Haltestelle, so dass ich von der nächstgelegenen Haltestelle anderthalb Kilometer die Straße langlaufen musste. Am Ziel musste ich für 10 € ein Ticket kaufen. 


>Tomba di Giganti Moru<

Die Nuraghe und das megalithische Großgrab liegen an der Straße. 



>Nuraghe Albuccio<

Zum ebenfalls der Nuraghen -Gesellschaft zuzuordnenden Tempel geht man einen 1.6 km langen Weg. Dort hat man gute Aussicht auf markante Felsformationen mit Tafoni. Die letzten 10 m hoch zum Tempel waren wieder etwas hakelig für Senioren wie mich, da es wieder einen steilen Feldpfad hochging. Die topographische Lage des Ortes war aber beeindruckend.



>Tempietto Nuragico Malchittu<

Auch die Busfahrt zurück funktionierte. Ich hatte übrigens ein Tagesticket gekauft, das 6,80 € kostete. Es wäre wohl etwas günstiger gewesen, zwei Einzeltickets zu kaufen, aber wer weiß, ob ich dazu vor Ort in Arzachena in der Lage gewesen wäre.

Vierter Tag. Es gibt noch einen anderen Ort in Olbia mit einem prähistorischen Gigantengrab, der allerdings zu Fuß vom Airport als nächstgelegene Busstation nur auf 4 km Straße nur unangenehm zu erreichen ist. Es folgen dann noch 2 weitere km Stichstraße entlang von Farmen, die beispielsweise Weinrebpflanzungen betreiben. Dieses 28 m lange Grab war schon beeindruckend und offensichtlich ein beliebter Picknickpunkt.


>Gigantengrab Tomba dei Giganti Su Monte e S'Abe<



Nahebei liegt auf einem Bergsporn eine mittelalterliche Burgruine: 



>Castel Pedreso<

Es führt eine Burgtreppe hoch/runter, deren uralte Felsstufen ich schon konzentrierte Beachtung schenken musste:



Die Aussicht lohnt, man guckt bis nach Olbia und über die Ebene bis zu den Bergen.



Zurück hatte ich das Glück, von einer italienischen Familie in ihrem Auto nach Olbia mitgenommen zu werden, so dass ich die unangenehmen 4 Straßenkilometer kein zweites Mal laufen musste.

Fünfter Tag. Ich machte einen Bahnausflug nach Golfo Aranci. Ich wanderte dort um einen Berg, dem Monte Ruju, herum, ein schöner Weg/Pfad unterschiedlichen Charakters, mehr Macchiengestrüpp als echter Wald. Ich hatte es in Erwägung gezogen, die beiden Berge dort zu besteigen, aber nein, lieber nicht.






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Bergrunter wurde der Pfad von tiefen Erosionstonnen begleitet, in denen manchmal Oleander-Sträucher wuchsen:



Gegen Ende der Tour kam ich noch an einem aufgegebenen Steinbruch mit verrottender Technik vorbei:


.... einem eigentümlichen, kleinen Friedhof:


.... den Ruinen einer Batteriestellung aus dem 2. Weltkrieg:



.... sowie einer rege genutzten Strandbucht. Auch kann der Blick auf eine vorgelagerte bewaldete Insel überzeugen:



Die letzten 2 km entlang der Schienen waren allerdings weniger überzeugend.